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Baumrojekt

 

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Jiri Bai

 

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Bienenstock; die Beine stehen wegen der vielen Ameisen in Petroleum

 
 

Die Ernährungssituation wird also immer schwieriger, während gleichzeitig die Zahl der Hilfesuchenden wächst – Kranke und in zunehmendem Maße auch Opfer der Maos.

Einen Anfang zur Selbstversorgung hatte MG schon kurz nach der Gründung von Shanti gemacht. Da hatte sie das Grundstück in Budhanilkantha gekauft, ca. 11 ha groß. Es lag mitten im Wald, in einem sehr hügeligen Gelände. Als sie nach dem Kauf dorthin kam, stand kein einziger Baum mehr auf dem Grundstück. Die Nachbarn hatten alles abgeholzt – für Brennholz zum Kochen.
Nach dem ersten Schock begann sie mit dem Baumprojekt: Menschen werden ermutigt, einen Baum in Nepal pflanzen zu lassen für einen Mitmenschen, dem sie etwas Gutes tun oder an den sie erinnern wollen. Gepflanzt werden jetzt aber nicht einfach Laub- oder Nadelbäume, sondern Obstbäume: Papaya, Mango, Orangen, Kaki, Pfirsiche etc.
So wird die Versorgung der BewohnerInnen von Shanti mit Vitaminen sichergestellt. Gleichzeitig halten die Wurzeln der Bäume die Terrassen des sehr abschüssigen Geländes fest.

Vor sechs Jahren begann MG – zunächst mit geringem Erfolg – die Küchen- und Gartenabfälle der Station kompostieren zu lassen. Durch beharrliche Aufklärungsarbeit wuchs jedoch allmählich eine Ahnung, was für Schätze in diesen Abfällen und in den Resten des Naturpapiers aus den Beschützenden Werkstätten verborgen sind.
Hinzu kam: einer der Patienten ist ein alter Gärtner, Jiri Bai. Schon sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater waren Gärtner. Ihn animierte MG, sich zu erinnern an alte Anbaumethoden. Und er erinnerte sich. Allmählich lernte er seine MitpatientInnen an, lehrte sie sinnvolle Frucht- bzw. Gemüsefolgen und –nachbarschaften, und alle, die sich »anstecken« lassen, sind verblüfft, was für ein gutes Gemüse und Obst ohne Gift geerntet wird, und sie sind in zunehmendem Maße stolz auf die Ergebnisse ihrer Arbeit.
Vor einigen Monaten hat MG ihn dazu ermutigt, seinem Sohn – ebenfalls Gärtner – seine Gartengeheimnisse zu erzählen. Ein Tonband lief mit, und im Augenblick sind nepalesische Freunde dabei, das Ganze in eine der gebräuchlichsten Nepali-Sprachen und schließlich auch ins Englische zu übersetzen, damit sein Wissen erhalten bleibt und weitergegeben werden kann.

Inzwischen bestellen die PatientInnen über 20 ha Land, größtenteils eigenes, aber auch gepachtetes. Bis zu drei Ernten können pro Jahr erzielt werden. Täglich werden 85–1oo kg biologisches Frischgemüse geerntet für etwa 1.200 Mahlzeiten, die in der Armenküche am Tempel ausgeteilt werden.
Wichtig: die Samen und Schösslinge werden nicht gekauft, sondern selbst gezogen aus nicht hybriden Pflanzen. Hierzu dient auch die eigene Baumschule.
Die Obstbäume stehen inzwischen nicht nur auf 11 ha in unserem kleinen Dorf in Budhanilkantha, sondern säumen auch etliche Straßen und machen sie zu Alleen – abgesehen von den vielen Bäumen, die offensichtlich über Nacht Beine gekriegt haben und jetzt Menschen irgendwo anders in Nepal mit ihren Früchten beglücken …
600 Hühner laufen zwischen den Bäumen, dem Gemüse, den Blumen und Kräutern herum, und Bienenstöcke versorgen vor allem die Kinder mit Honig.

Zu den Häusern in Budhanilkantha: sie wurden von den PatientInnen selbst gebaut, nach fast vergessener Bauweise: den geeigneten Lehm, den man auf dem Grundstück fand, haben sie zu tausenden von Ziegeln geformt, sie in der Sonne getrocknet und daraus ihre Häuser gebaut. Die Türen und Fensterrahmen stammen aus der eigenen Schreinerei.
Bisher haben 38 Familien auf diese Weise ihr eigenes kleines »Reihenhaus« bekommen (je ein Raum, ca. 12 m²).

 
 

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