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Empfehlung der Deutschen
Botschaft
Kathmandu, 20.06.2002
Lp/th
Empfehlungsschreiben
Frau Marianne Grosspietsch. geb. am 06.03.1944 in Kiel, hat seit
1989 ihr ganzes Leben dem Kampf gegen Lepra und der Versorgung hilfsbedürftiger
Menschen in Nepal gewidmet, im Jahr 1992 gründete sie mit finanzieller
Unterstützung des Dortmunder Lions Club die Pflegeeinrichtung
Shanti Sewa Griha in Pashupatinath, Kathmandu.
Shanti Sewa Griha ist inzwischen ein eigenständiger Verein
nach nepalesischem Recht, der von der deutschen Shanti Leprahilfe
Dortmund e.V. finanziell unterstützt und organisatorisch betreut
wird. Shanti kümmert sich nicht nur um an Lepra erkrankte oder
durch diese Krankheit behinderte Menschen, sondern auch um andere
Hilfsbedürftige in einem der ärmsten Länder der Welt.
Insgesamt sind es rund 800 Personen, die in den auf die beiden Gebäudekomplexe
in Pashupatinath und Buddhanilkanta konzentrierten Einrichtungen
Zuflucht gefunden haben.
Das erst kürzlich bezogene, im Stadtbereich von Kathmandu
gelegene Gebäude in Pashupatinath beherbergt u.a. eine Klinik.
Hier werden neben Schwerstpflegefällen sowie geistig Behinderten
und hilflosen alten Menschen, die eine stationäre Versorgung
benötigen, ambulant im Durchschnitt täglich ca. 100 Hilfsbedürftige
medizinisch versorgt.
Unter dem gleichen Dach wird geheilten Leprapatienten, deren Gliedmaßen
verstümmelt sind und die von ihren Familien verstoßen
wurden, ein neues, menschenwürdiges Zuhause angeboten. In dem
Gebäude sind außerdem die Werkstätten der Klinik
(Schneiderei, Nähstuben, Silberschmiede, Papier- und Stoffdruckerei)
untergebracht. Durch ihre Arbeit können die an den Rand der
Gesellschaft gedrängten ehemaligen Lepra-Patienten nicht nur
ein neues Selbstwertgefühl aufbauen, sondern tragen zum Unterhalt
der sozialen Einrichtungen bei und ermöglichen so ein gewisses
Maß an Eigenfinanzierung. Die mit großem Einfallsreichtum
entworfenen und von den Behinderten mit beeindruckendem Geschick
hergestellten Gegenstände werden über Shanti Leprahilfe
Dortmund e.V. auch in Deutschland verkauft, sie erschließen
dort eine weitere wichtige Finanzierungsquelle über das reine
Spendenaufkommen hinaus. Für die Kinder der gegenwärtigen
und ehemaligen Patienten betreibt Shanti Sewa Griha eine Schule
und einen Kindergarten.
Auf dem zweiten Gelände in der ländlichen Umgebung von
Buddhanilkanta wenige Kilometer nördlich von Kathmandu unterhält
der Verein eine weitere kleine Klinik, die Frau Grosspietsch u.a.
mit finanzieller Unterstützung der deutschen Botschaft errichtet
hat. Hier erhalten weitere etwa 100 Pflegebedürftige medizinische
Betreuung. Die dortige Schule ist offen für Kinder armer Familien
aus dem Umland. Sie sollen nicht nur eine moderne Erziehung zur
Entwicklung ihrer Kreativität, sondern auch eine ausgewogene
Ernährung erhalten. Frau Grosspietsch will auf diese Weise
nachhaltigen Entwicklungsschäden aus verbreiteter Unter- bzw.
Schlechternährung (Malnutration) vorbeugen. Eine landwirtschaftliche
Erzeugung auf eigenem Boden wird derzeit gezielt weiter ausgebaut
mit dem Ziel, sowohl den Grad der Selbstversorgung wie den Anteil
der Eigenfinanzierung durch Verkauf der über den eigenen Bedarf
hinaus gehenden Erzeugnisse zu steigern.
Mit ihrer Arbeit leistet Frau Grosspietsch einen wertvollen Beitrag
zur kostenlosen medizinischen Versorgung von vielen tausend mittellosen
Nepalis. Für zahllose Schwerkranke, die sich sonst keine medizinische
Behandlung leisten könnten, ist sie regelmäßig die
letzte Hoffnung in einer ansonsten ausweglosen Situation. Selbstlos
und unermüdlich widmet sie sich ihrer Aufgabe; überall
fasst sie selbst mit an. Das erhebliche persönliche Gesundheitsrisiko
bei der Versorgung von Schwerstpflegefällen trägt sie
mit Gelassenheit. Besonders beachtenswert ist auch ihr Erfolg bei
der sozialen Integration von vormals Leprakranken. In den Werkstätten
von Shanti Sewa Griha haben viele von der Lepra verkrüppelte
Menschen eine sozial sinnvolle Beschäftigung gefunden und handwerkliche
Fähigkeiten entwickelt. Vielen ist es damit gelungen, ein gewisses
Maß an menschlicher Achtung in der nepalesischen Gesellschaft
zurück zu gewinnen und oftmals sogar eigene Familien zu gründen.
Diese umfassende soziale Integration ist ein Hauptmerkmal der Arbeit
von Frau Grosspietsch. So ist sie bemüht, allen geheilten Leprakranken
das Gefühl zu vermitteln nützliche Mitglieder in ihrer
Gesellschaft zu sein, die sich ihren Unterhalt selbst verdienen
können und nicht auf Almosen angewiesen sind.
Die deutsche Botschaft in Kathmandu gewährt dieser Privatinitiative
im Rahmen ihrer Möglichkeiten größtmögliche
Unterstützung und hält die Arbeit von Frau Grosspietsch
für außerordentlich förderungswürdig.
Rüdiger Lemp
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