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Oktober 2007
Im Juni 2007 feierte die »Shanti Leprahilfe«
aus Dortmund ihren 15. Geburtstag. Das allein wäre ein Grund,
mit den in diesem Zusammenhang tätigen Menschen zu feiern,
denn ihre geleistete Hilfe ist bewundernswert. Bewundernswert ist
auch ihre Gründerin Marianne Grosspietsch, die sich mit Herzenswärme
und ansteckendem Optimismus um die Sorgen und die Würde der
betroffenen Menschen bemüht.
SHANTI HEISST FRIEDEN
MARIANNE GROSSPIETSCH im Gespräch mit Doris
Kleinau-Metzler
Die Infektionskrankheit Lepra ist seit mehreren tausend Jahren
bekannt und trotz wirksamer Medikamente immer noch in Asien, Afrika
und Lateinamerika verbreitet, da sie eng mit Armut zusammenhängt.
Mit den verheerenden Folgen, u. a. der Verkrüppelung und Ausgrenzung,
wurde Marianne Grosspietsch erstmals konfrontiert, als sie vor über
30 Jahren mit ihrem Mann ihr Patenkind in der Hauptstadt Nepals,
Kathmandu, besuchte. Aus den ersten Kontakten wurde eine Adoption,
Jahre später entstand durch die persönliche Konfrontation
mit dem menschlichen Elend der Eltern des Adoptivsohnes in einem
Lepra-Ghetto ihr Wunsch, mehr zu helfen. Inzwischen konnte die Shanti-Leprahilfe
Dortmund e.V. ihren 15. Geburtstag feiern. 1.500 Menschen finden
an drei Projektorten in und um Kathmandu Hilfe und Heimat, betreut
durch einheimische Helfer, deren Eltern oft noch im Lepra-Ghetto
lebten. Krankenambulanz, Pflegestation für Schwerstbehinderte,
Werkstätten für Behinderte und Arme, Wohnhütten,
Schule und Kindergarten, Küche und nicht zuletzt Gartenbaubetriebe
mit biologischem Obst- und Gemüseanbau sind aus einem Impuls
entstanden, der Marianne Grosspietsch immer wieder für das
Shanti-Projekt bewegt, »aus der Freude heraus, Leben in seiner
ganzen Vielfalt wahrzunehmen und Gemeinschaft zu erleben«.
Gemeinsam mit anderen wurde sie für 1000 Frauen für den
Friedensnobelpreis 2005 vorgeschlagen.
Doris Kleinau-Metzler | Frau Grosspietsch, können
Sie sich noch erinnern, wie alles anfing?
Marianne Grosspietsch | Der erste Anstoß
hinter allem sind sicher meine eigenen Kinder – wir wollten
sie tolerant erziehen und engagierten uns deshalb für unser
Patenkind. Dann der Besuch mit unserem Patensohn nach seinem Abitur
bei seinen Eltern im Lepra- Ghetto – sein Vater hatte Hände
und Füße verloren, war infolge der nicht behandelten
Krankheit erblindet und unsagbar traurig, dass er seinen erwachsenen
Sohn nicht sehen konnte, den sie uns anvertraut hatten. Das ging
mir so an die Seele … Ich hatte mit großer Freude einige
Semester Theologie und Judaistik studiert, aber mir wurde deutlich:
Wenn ich für mich authentisch sein wollte, konnte ich hier
über den Satz Jesu: »Was ihr getan habt dem geringsten
meiner Brüder, das habt ihr mir getan«, nicht hinweggehen.
DKM | Warum ist Lepra so schwer zu bekämpfen?
MG | Lepra ist eigentlich eine Nervenkrankheit,
die inzwischen gut mit Antibiotika zu behandeln ist und dann auch
nicht mehr ansteckend ist. Die Krankheit wird aber oft als Hautkrankheit
angesehen, weil sich zunächst Flecken auf der Haut zeigen,
oft Jahre nach der Ansteckung, und diese Stellen sind gefühllos,
also schmerzlos. Dort dringt bei kleinsten Verletzungen Schmutz
ein, Bakterien breiten sich aus, bis dahin, dass der Knochen zerstört
wird. Weil die Muskeln kontrahieren, bilden sich Klauenhände,
zwischen deren Fingern es feucht wird, Wunden entstehen und riechen,
und dies zieht wiederum die Ratten an, mit grausamen Folgen für
die Menschen. Deshalb ist es uns ganz wichtig, die Wunden sorgfältig
zu versorgen, auch wenn es in unserer Einrichtung keine ansteckenden
Lepra-Kranken mehr gibt. Aber viele Menschen dort sind gezeichnet
für ihr Leben, sie verstehen es nicht und fragen: »Wo
ist meine Nase, wenn ich geheilt bin? « Und es gibt sie ja
auch noch, die Krankheit, zum Beispiel in den abgelegenen Dörfern.
Das staatliche Gesundheitssystem funktioniert kaum, und wir kommen
an diese Gegenden nicht heran.
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