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DKM | Wie ist der Umgang mit dieser Krankheit und
mit Behinderten in Nepal?
MG | Lepra-Kranke werden aus ihrem Dorf ausgestoßen,
auch wenn sie geheilt wurden, weshalb viele so lange wie möglich
ihren Zustand verleugnen, und Behinderung wird als Strafe der Götter
angesehen. Bei uns gibt es inzwischen immer mehr schwerst behinderte
Dauer-Pflegepatienten, die auch oft von ihren Müttern unter
vielen Mühen zu uns getragen werden, nachdem sie jahrelang
mehr oder weniger versteckt wurden – Querschnittsgelähmte,
Kinder mit schwerer Trisomie, dem sogenannten Down-Syndrom, die
nicht laufen können, viele Kinder auch mit Gaumen-Lippen-Spalten
und Muskeldysthrophie, auch als Folge dessen, dass kein Wissen über
Erbgesundheit besteht. Hinzu kommt ja in Nepal die Erfahrung, dass
von zehn Kindern vielleicht nur fünf überleben und die
das Alter der Eltern absichern sollen, denn die Menschen bekommen
keine Rente oder sonstige Hilfe. Als ich mit einigen Mitschülern
unser 40-jähriges Abitur feierte, war Rente und was man dann
bekommt, ein großes Thema. Trotz der Versorgung macht man
sich Sorgen über die Zukunft.
DKM | Wie erleben Sie das Leben und die Menschen
in Nepal?
MG | Ich empfinde uns (sie lacht, weil sie sich
mit dazuzählt) in Nepal als ausgeglichener, weil sich viele
Menschen, denen ich dort begegne, an kleinen Dingen freuen können
– immer wieder. Wenn unsere Näherinnen an einem blühenden
Strauch vorbeigehen, stecken sie sich eine Blüte ins Haar,
einfach so. Und viele drücken deutlich aus: »Heute habe
ich einen warmen satten Bauch, wie schön! « Welche Freude
ist es für unsere Kinder, wenn sie eine Karotte oder einen
Apfel geschenkt bekommen. Die Frauen können ganz wunderbar
mit ihren Babys umgehen, das lernt man einfach voneinander, weil
immer irgendjemand im direkten Umkreis ein Baby hat: Sie massieren
sie jeden Morgen mit Öl, und die Babys sind herrlich entspannt.
Ich habe so immer wieder Spaß ohne Ende dort! –Aber
es gibt auch die andere Seite in Nepal, die Armut, die Korruption,
das mangelhafte Gesundheitssystem, die staatlichen Schulen, in denen
eigentlich nur auswendig gelernt und wiederholt wird, und auch die
Fälle von Misshandlungen, zum Beispiel, weil ein Mädchen
in der Familie nicht erwünscht ist, und die ausgestoßenen
Behinderten. Aber immer wieder bin ich dankbar für unser einheimisches
Team, das die Landesbedingungen genau kennt und die laufenden Geschäfte
hervorragend bewältigt.
DKM | Was ist Ihnen persönlich wichtig für
die Arbeit von Shanti in Nepal?
MG | Mein Ziel ist zum einen, dass wir immer diese
1.500 Menschen satt bekommen, die bei uns leben und arbeiten –
denn jeder, der kann, arbeitet, auch die Menschen mit den verkrüppelten
Händen können zum Beispiel dank spezieller Vorrichtungen
in der Papierwerkstatt Motive stempeln. Aber genauso wichtig ist
mir, dass diese Menschen, wenn sie zu uns kommen, erst einmal die
Seelenstimmung erleben können: Hier bin ich aufgenommen, so
wie ich bin, bin zu Hause. Trotz aller Beengung, unter der manche
Schwerstbehinderte leiden, kann doch jeder noch eine Erweiterung
erleben, zum Beispiel durch Trommeln, Singen, Malen, kann geschaukelt
und eingeölt werden – etwas, das ihr oft kurzes Leben
lebenswert macht. Wichtig ist mir bei allem die Gestaltung, die
Ästhetik, denn ich bin davon überzeugt, dass es viel Einfluss
auf den Menschen hat, seine Seele daran wachsen kann, wenn es schön
um ihn herum ist. So malen zum Beispiel auch alle Bewohner, die
ehemals Leprakranken, ihre Hütten in der Tradition ihrer jeweiligen
Heimat-Ethnien an. Wir mussten noch nie Reparaturen in unseren beiden
Siedlungen veranlassen, weil die Menschen ihr Zuhause gut pflegen.
Und in unseren Werkstätten werden wunderschöne Dinge hergestellt,
Silberschmuck, Tücher, Teppiche, Spielzeug …
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