|
DKM | Shanti baut auch nach biologischen Methoden
Obst und Gemüse an. Wie ist es dazu gekommen?
MG | Dafür war wohl der frische Blick von
außen Anstoß, denn ich habe gesehen, wie auch in Nepal
mit chemischem Dünger, der zum Teil durch die Weltbank finanziert
wurde, umgegangen wurde – im Übermaß, auch weil
sie die Gebrauchsanweisung nicht verstehen; zudem werden die Säcke
oft offen transportiert, sodass die Insektizide und Pestizide sich
im Lebensumfeld verteilen. Nachdem ich mit meinem Manager die nach
biologisch-dynamischen Prinzipien arbeitende Sekem-Farm in der Wüste
in Ägypten besucht hatte, war klar: Wir wollen es ähnlich
machen. In Nepal gibt es zudem uraltes Wissen der nepalesischen
Bauern, wie der Boden und die Natur gut zu behandeln ist, das nutzt
unser alter Gärtner, der dieses Wissen weitergibt. Und so ging
die Zahl der Schädlinge in der Obstplantage unseres ersten
Grundstückes zurück, und wir können für unsere
Küchen zur Versorgung der vielen Menschen immer mehr gesundes
Obst und Gemüse ernten. Auch um die laufenden Kosten zu reduzieren,
nutzen wir Solarenergie, konnten jetzt eine Biogasanlage bauen,
die durch die Toiletten und den Dung unserer vier Kühe gespeist
wird, und aus Pflanzenresten werden Biobriketts hergestellt für
den Fall, dass das Biogas zum Kochen und für warmes Wasser
nicht reicht. Acht Menschen haben so zudem eine bezahlte Arbeit.
DKM | Wie werden die Shanti-Einrichtungen in Nepal
finanziert?
MG | Letztlich ist alles nur dank Spenden möglich.
Für bestimmte Einrichtungen wie eine Krankenstation, Toiletten
u. Ä. haben sich immer wieder Organisationen gefunden wie die
Deutsche Botschaft, Rotarier und Lions-Verbände und auch Einzelspender.
Ein großer überraschender Glücksfall war, dass wir
500.000 Euro durch den Entertainer Hape Kerkeling erhalten haben,
weil er für uns beim TV Prominentenraten von Wer wird Millionär
gewonnen hat. Von dem Geld konnten wir einen Schulbus kaufen und
vor allem ein Stück Land, auf dem eine Klinik, Werkstätten,
ein Kindergarten und eine große Küche entstehen. Dort
haben wir auch eine Wasserader gefunden und einen Brunnen bauen
können, aus dem sich die Bewohner des angrenzenden Slums unentgeltlich
versorgen können – was dazu führte, dass die Anzahl
der Cholera- und Typhuserkrankungen um mehr als 60 % zurückgegangen
ist. Schwierig ist es, den Bedarf für den laufenden Betrieb
zu sichern: Wir brauchenmonatlich ca.30.000 Euro. Etwa 12.000 Euro
sind durch regelmäßige Spenden gedeckt, die Rücklage
reicht nur für acht Monate. Deshalb bin ich viel unterwegs,
um zu informieren und um Unterstützung für unser Projekt
zu bitten.
DKM | Die regelmäßige finanzielle Unterstützung
aus Europa ist also die Grundlage Ihrer Arbeit?
MG | Sicher ist das Geld die Grundlage, das muss
sein wie die Erde für die Pflanzen. Aber das Entscheidende
ist das, was zwischen den Menschen passiert: Was die Menschen dort
brauchen, ist immer wieder ein Miteinander – so definiere
ich für mich Globalisierung, das heißt, den anderen Erfahrungen
und Möglichkeiten weitergeben. Und das ist für mich ein
gegenseitiger Prozess, von dem ich schon unendlich profitiert habe
und der sicher auch schon viele Menschen in Europa angesteckt hat.
Ich denke dabei an die Menschen, die eine Patenschaft übernommen
haben und auch an die vielen kleinen Einzelspender, die sagen: Ich
teile und gebe etwas ab – zum Beispiel an die liebenswerten
alten Damen, die darauf verzichten, mit ihrer Freundin ins Café
zu gehen und uns mit Daueraufträgen unterstützen, an die
Kirchengemeinden und viele mehr.
DKM | Eigentlich ist es immer wieder erstaunlich,
was aus einem kleinen Ursprungsimpuls, wie beispielsweise dem Ihren,
werden kann.
MG | Ja, das ist das Ermutigende, dass man nicht
sagen muss: Ich alleine kann doch nichts machen. Aus dem ersten
Schritt, auch der gefühlsmäßigen Betroffenheit,
folgen weitere. Dieser Schock durch die Zustände gehört
zu meinem Weg, aber auch das Erwachen aus diesem Schock und das
Überlegen und Suchen danach, was ich tun kann. Das zeichnet
uns Menschen doch aus – dass wir vorausschauend denken können,
das heißt die Situation analysieren und daraufhin planen und
Wege suchen. Man kann sagen, dass es mich im Prinzip eigentlich
nichts angeht – aber es ist meine Sache, ob ich das, was ich
sehe, die Not, verdränge oder mich dem Problem zuwende und
mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln für eine Verbesserung
einsetze.
|