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Immerhin gelang es in der letzten Dekade, die Zahl der registrierten
Leprakranken global um über 80 Prozent zu senken. Trotz verbesserter
Diagnostik waren bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Ende
des vergangenen Jahres nur noch rund 940 000 Fälle gemeldet
(1985: 5,3 Millionen). Damit gelang es erstmals, diese Zahl unter
die Millionengrenze zu drücken. Allerdings nehmen die Experten
an, daß ungefähr 330 000 Betroffene bislang nicht entdeckt
wurden. Zu dieser Einschätzung gelangten Spezialteams, die
in Indien bei ausgewählten Populationen die gemeldeten Fälle
mit der Zahl von tatsächlich Erkrankten verglichen.
Trotz aller Bemühungen werden zur Zeit noch über eine
halbe Million neue Fälle pro Jahr gemeldet, von denen nach
WHO-Angaben 1995 rund 457 000 auf Südostasien entfielen. In
Afrika wurden 48 000, in Südamerika 40 000, auf den Inseln
des Westpazifiks 12 000 und im östlichen Mittelmeerraum 5000
Menschen behandelt. Es gibt zwar noch keine Schutzimpfung gegen
Lepra, der auslösende Keim, der 1873 von dem norwegischen Arzt
Gerhard Henrik Armauer Hansen entdeckt wurde, kann auch nicht in
Nährlösung gezüchtet werden, sondern nur in Mäusepfoten
oder in Gürteltieren. Aber inzwischen ist eine hochwirksame
Dreierkombination von Chemotherapeutika bekannt, die den Lepraerreger
zum Absterben bringt.
Eingesetzt wird Rifampicin, ein Mittel, das sich schon im Kampf
gegen Tuberkulose bewährt hat, deren Auslöser ebenfalls
zu den Mykobakterien gehört. Dazu kommt Dapson, ein Antibiotikum
mit bakteriostatischen Eigenschaften, und Clofazimin. Letzteres
wirkt entzündungshemmend und richtet sich ebenfalls gegen Bakterien.
Die Behandlung dauert sechs Monate bis zwei Jahre. Nach Schätzungen
der WHO werden inzwischen 90 Prozent aller Leprakranken auf der
Welt mit diesen Mitteln behandelt. Soweit bisher bekannt ist, hat
sich noch keine Resistenz gegen die Kombination entwickelt.
Wird Lepra in einem sehr frühen Stadium erkannt, kann sie
gut ausgeheilt werden. Für die WHO, die den morgigen Sonntag
zum Welt-Lepra-Tag erklärt hat, ist daher die Aufklärung
von besonderer Bedeutung. Denn in Zentren wie dem in Kathmandu müssen
viele Leprakranke noch unter dem Vorwand eines anderen gesundheitlichen
Problems den Arzt aufsuchen, um nicht ausgeschlossen zu werden.
Die Früherkennung ist nicht nur für den Infizierten selbst
wichtig, sondern auch für seine enge Umgebung , um weitere
Ansteckungen zu verhindern.
Weil selbst die geheilten Menschen in Ländern wie Nepal häufig
von ihrer Dorfgemeinschaft ausgeschlossen bleiben, müssen auch
soziale Projekte mit den medizinischen Zentren verbunden werden.
Durch Arbeiten in Reha-Werkstätten können die Betroffenen
selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen.
Dadurch fühlen sie sich allmählich wieder als vollwertige
Mitglieder der Gesellschaft' und können so auch ihre psychischen
Verletzungen überwinden.
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