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New View 4. Quartal – Herbst 2010
(Übersetzung aus der englischen Sprache)

Shanti Sewa – Frieden und gemeinnütziger Dienst
Von Eric Fairman

Wenn das Glück tatsächlich aus Eigenschaften wie Liebe, Geduld, Toleranz und Verzeihung besteht und es ferner stimmt, dass das Mitgefühl, also die Fürsorge für den Nächsten, sowohl als Quelle als auch Frucht dieser Eigenschaften gilt, dann werden wir um so glücklicher, je mitfühlender wir sind.
(Dalai Lama)

Es war schon lange mein Wunsch gewesen, Katmandu zu besuchen, denn dieser Ort hat immer noch einen magischen Klang und beschwört Visionen der alten „Seidenstraße“ und ihres Verlaufs, östlicher Kulturen und nicht zuletzt der grandiosen Bergkette des Himalaya herauf. Als unser Flugzeug zur Landung auf dem Tribhuvan-Airport ansetzte, hatten wir bereits eine erste Sicht auf die gewaltigen, schneebedeckten Gipfel des Gebirges, auf dem das letzte Sonnenlicht des Nachmittags schimmerte. Schöner hätte mein Besuch nicht beginnen können!

Nach der Landung befand ich mich unter dem Ansturm des Lärms und der Gerüche ganz schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen und wurde von Tausenden neuer Eindrücke überwältigt. Ich hatte keinen bestimmten Plan, wie ich die kommenden drei Wochen in Katmandu ausfüllen sollte, wollte aber auf jeden Fall erkunden, welche anthroposophischen Initiativen dort schon umgesetzt waen. Als langjähriger Klassenlehrer einer Steiner-Waldorfschule lag mein Interesse natürlich hauptsächlich auf diesem Gebiet. Ich hatte vor meinem Besuch im Internet ein bisschen recherchiert und war erstaunt, welche Fülle an Einrichtungen dort bereits existiert, vom biodynamischen Gartenbau bis zur Ausbildung in Sozialgesundheits-Einrichtungen.

Zu Fuß kann man vom Flughafen aus die Slumgebiete von Gaushala und Tilganga erreichen, wo die Armen und Ärmsten wohnen, unter anderem auch die „Unberührbaren“, also Menschen, die ohne eigene Schuld an schlimmen Krankheiten leiden, z. B. Lepra. Hier – in dieser Umgebung von Siechtum, schrecklichem Leiden und abgrundtiefer Armut – wurde das Gemeinschaftszentrum Shanti Sewa Griha errichtet: ein licht- und hoffnungspendendes Fanal, in welchem Menschen, die an Lepra, Polio und anderen Krankheiten leiden, und all jene, die gar nicht mehr wissen, wohin, eine Zuflucht, Nahrung und ärztliche Versorgung finden und überdies noch eine Berufsausbildung beginnen können! Die Initiative für die Gründung von Shanti, einem Projekt im anthroposophischen Geiste, entstand vor 30 Jahren jedoch eher durch Zufall.

Bei ihrem ersten Besuch in Katmandu im Jahre 1973 erlebte Frau Marianne Großpietsch, eine „Waldorf-Mutter“, hautnah die Schrecken der entsetzlichen Folgen der Lepra im Getto mit. Nicht mehr davon losgelassen, nahm die Familie Großpietsch einen Jungen namens Puskal aus dem Lepragetto bei sich auf und brachte ihn in ein renommiertes Internat der Stadt. Nach einem Jahr mussten sie ihn allerdings auf Geheiß des Schulleiters wieder abmelden, da sich einflussreiche Eltern weigerten, ihre Kinder mit einem Kind aus einer leprösen Familie zusammen in einer Klasse unterrichten zu lassen. So wurde Puskal kurzerhand adoptiert. Es fügte sich glücklich, dass die Familie Großpietsch die ältere Schwester von König Birendra, Prinzessin Shanti, kennengelernt hatte, denn diese unterzeichnete in der Folge alle Adoptionspapiere, so dass Puskal nach Deutschland ausreisen, dort leben und zur Schule gehen konnte. Als Puskal den Gymnasialabschluss erreicht hatte, kehrten Marianne und ihre Familie nach Katmandu zurück, um Puskals Eltern im Lepragetto zu besuchen; dies erwies sich aber als traumatisches Erlebnis für alle Beteiligten, denn Puskals Vater erkannte seinen eigenen Sohn nicht mehr – durch die Lepra war er erblindet, und die Hände und Füße waren ihm abgefallen. Nach ein paar Tagen starb er dann.

 
 

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