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Rheinischer
Merkur
24. Januar 1997
FRAGEN AN … Marianne Grosspietsch:
Was können wir für Leprakranke tun?
RHEINISCHER MERKUR: Frau Grosspietsch, Sie haben ein Theologiestudium
aufgegeben und sind eine engagierte Lepra-Helferin geworden, die
sehr viel Zeit in Nepal verbringt. Das bedeutet selbstgewählte
Nähe zu einer Krankheit, die, so glauben viele, prinzipiell
Distanz verlangt. Wie empfinden Sie diesen Kontrast?
Mir war ein Miteinander von Anfang an ganz selbstverständlich.
Heute ist das noch klarer, weil die Patienten mich als ihre Mutter
ansehen, die für sie sorgt. Das geht sehr weit: wenn sie gestorben
sind, wasche ich ihren Leichnam und begleite sie auf dem letzten
Weg. Das wissen sie.
Sie haben selbst zwei Kinder, dazu aber 1974 den kleinen Puskal
adoptiert, den Sohn lepröser. Eltern aus Nepal. Puskal ist
dann in Dortmund aufgewachsen. Wie hat Ihre Umgebung auf Ihre Entscheidung
reagiert?
Es gab wie sicher bei vielen Adoptionen sehr geteilte
Meinungen. Am wichtigsten war aber, daß die beiden Geschwister
ihn sehr solidarisch und freundschaftlich als Bruder annahmen.
Sie haben mehrere Aktionen und Institutionen angestoßen,
darunter die Shanti-Leprahilfe und den Ganesh in Dortmund. Was hat
es damit auf sich?
Shanti ist ein eingetragener Verein, der besonders Leprakranken,
aber auch anderen Bedürftigen in Nepal hilft jede enge
Begrenzung wäre unbarmherzig. Ganesh ist ein Eine-Welt-Laden.
Dort wird Silberschmuck und Kunsthandwerk aus Nepal und Indien verkauft,
aber auch Produkte, die in den Reha-Werkstätten unserer Leprastation
in Kathmandu entstehen.
Werden Sie von deutschen Stellen, zum Beispiel von Ministerien,
unterstützt?
Ja, sehr. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft in Kathmandu
ist einfach wohltuend. Von Beginn an hat sie uns sehr hilfreich
zur Seite gestanden. Kleinstprojekte wurden unbürokratisch
und rasch bewilligt. Alle drei Botschafter der letzten Jahre haben
die Station besucht, weitere Angehörige der Botschaft sind
aktive Helfer. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
hat gemeinsam mit Lions International unsere Außenstation
Budhanilkantha finanziert.
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