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Mir kam nämlich ein Gedicht von Theodor Fontane aus meiner
Kindheit ins Gedächtnis: Die Ballade von Herrn von Ribbeck
auf Ribbeck im Havelland, der alle Kinder im Dorf noch über
seinen Tod hinaus beglückte durch die Früchte von seinem
wunderschönen Birnbaum.
Damit war die Idee geboren, auf diesem kahlen Hang Obstbäume
pflanzen zu lassen. Sie halten die Krume fest und versorgen gleichzeitig
schon seit Jahren unsere Kinder mit den so wichtigen Vitaminen.
Kaufen können sich unsere Patientinnen und Patienten nämlich
kein Obst – es ist für sie unerschwinglich.
Unser Baumprojekt ist ja vielen von Ihnen bekannt, denn viele von
Ihnen haben ja schon einen Obstbaum pflanzen lassen, zu den unterschiedlichsten
Anlässen: Zu Geburtstagen oder Hochzeiten, zu Beerdigungen
oder Jubiläen, kurz, immer, wenn Sie lieben Menschen eine Freude
machen wollen, die nicht nur dem direkt Beschenkten, sondern noch
vielen Anderen auf Jahrzehnte hinaus Gutes tut.
Übrigens haben wir bewusst auf die Baumurkunde geschrieben:
Ein Baum, der Leben schenkt »in Nepal«, nicht: »für
Shanti«, denn viele Bäume bekommen über Nacht Beine
und siedeln sich dann auf einem anderen Stück Land an. Doch
das macht nichts: Nepal ist so arm und so sehr von Erosion bedroht,
dass der Baum überall an der richtigen Stelle steht.
In Buddhanilkantha haben wir inzwischen durch unser Baumprojekt
eine wunderschöne, bunte Obstplantage, und die Bienen fliegen
von Orangen zu Pfirsichen, Guaven zu Birnen und Papayabäumen.
Und ich bin glücklich, wenn ich gerade unsere schwerstbehinderten
Kinder strahlen sehe, wenn wir ihnen von den Früchten geben.
Parallel zu der Obstplantage entstand im Laufe der Jahre ein einladend-freundliches
Dorf. Etwa 200 Kinder und Erwachsene wohnen hier.
Die Häuser wurden von den Patienten aus Ziegeln errichtet,
die sie selber aus dem Lehm geformt haben, den wir auf unserem Grundstück
fanden.
Die Häuser sind nicht alle gleich. Sie entsprechen vielmehr
in ihrem Baustil den zahlreichen Volksgruppen, zu denen die jeweiligen
Familien gehören, die darin wohnen.
Übrigens stärkt so ein gemeinsamer Hausbau auf wunderbare
Weise das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das haben wir erst
kürzlich erfahren, als die gesellschaftspolitischen Unruhen
so sehr in unsere Station hineinschwappten: Die Menschen in Buddhanilkantha
ließen sich nicht mit hineinziehen in den Sog der Unruhen.
Sie erklärten sich vielmehr ausdrücklich solidarisch mit
unserem Ziel, für alle Notleidenden da zu sein, die uns brauchen.
Unsere behinderten Kinder
Für alle – dazu gehört auch die wachsende Zahl
schwerst behinderter Kinder. Für sie ist es in Nepal fast aussichtslos,
einen guten, liebevollen Pflegeplatz zu finden. Vor 15 Jahren waren
es noch vor allem Erwachsene, die uns zur Betreuung gebracht wurden.
In den vergangenen fünf Jahren jedoch wurden uns immer mehr
Kinder anvertraut, die völlig abhängig sind von unserer
Hilfe.
Ein eigenes Haus haben wir für sie gebaut, mit besonders großen,
solargewärmten Duschen. Ein Segen für die Kinder! Holländische
Freunde schenkten uns (neben vielem anderen) sogar eine Nestschaukel.
Wenn zwei oder drei unserer Sorgenkinder darin liegen und jauchzend
hin- und herschwingen oder sich sanft wiegen lassen, dann wird es
in mir ganz hell vor Freude!
In Nepal wird es auch heute noch als Fluch der Götter angesehen,
wenn ein Kind behindert ist. Darum haben die meisten unserer Schützlinge
auch schon viel seelisches Leid erfahren. Da ist Buddhanilkantha
für sie ein Ort, der ihnen einfach wohltut: Die Natur, der
weite Blick ins Tal, die Vögel am Himmel, der Duft der Kräuter
und der Blumenrabatten um die Gemüsebeete herum, der ruhige
Ablauf der Tage, die Ruhe des Ortes (keinerlei Autoverkehr!) –
all dies trägt dazu bei, ihre seelischen und körperlichen
Kräfte wachsen zu lassen.
Jeden Tag werden die Kinder mit Öl massiert und nach draußen
getragen. Nur wenige können selber laufen.
In den Werkstätten nähen unsere Frauen weiche Bälle,
Puppen und Kuscheltiere. Mit ihnen versuchen wir, die Kinder zu
erfreuen und so weit wie noch eben möglich zu aktivieren.
Es macht mich froh, wie viele junge und auch ältere Volontärinnen
mit ganz viel Liebe und Geduld sich gerade dieser Kinder annehmen.
Und wenn dann bei unserem gemeinsamen Mittagessen jemand erzählt,
wie z.B. die cerebral geschädigte Jamuna ein neues, einfaches
Wort sprechen gelernt hat, dann freuen sich alle mit!
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