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Advent 2009
Liebe Freundinnen und Freunde unserer Shanti-Familie,
vor einigen Tagen besuchte ich eine Veranstaltung zum Thema »Glück«, und am Ende dieses Briefes werde ich Ihnen wieder Glück und Segen für das neue Jahr wünschen.
Ich frage mich: Was wünsche ich Ihnen eigentlich damit?
So viele Bücher gibt es im Augenblick zu diesem Thema, so viele »Experten« äußern sich dazu – aber: sind sie mehr Experten als Sie und ich? Sind wir hier nicht in gewisser Weise alle Experten, weil wir alle (hoffentlich!) Glücksmomente und die Sehnsucht nach Glück kennen?
Denken wir nur an die Kinder, die selbstvergessen spielen und dabei einfach nur im Augenblick sind, sich freuen an dem, was sie gerade tun!
Dazu fiel mir die Geschichte von Karl Heinrich Waggerl ein, »Wie ein Hirtenknabe das Christkind tröstete« – vielleicht haben Sie ja auch so viel Freude daran wie ich:
In jener Nacht, als den Hirten der schöne Stern am Himmel erschienen war und sie sich alle auf den Weg machten, den ihnen der Engel gewiesen hatte, da gab es auch einen Buben darunter, der noch so klein und dabei so arm war, dass ihn die anderen gar nicht mitnehmen wollten, weil er ja ohnehin nichts besaß, was er dem Gotteskinde hätte schenken können.
Das wollte nun der Knirps nicht gelten lassen. Er wagte sich heimlich ganz alleine auf den weiten Weg und kam auch richtig in Bethlehem an. Aber da waren die anderen schon wieder heimgegangen und alles schlief im Stall. Der heilige Josef schlief, die Mutter Maria, und die Engel unter dem Dach schliefen auch, und der Ochs und der Esel, und nur das Jesuskind schlief nicht. Es lag ganz still auf seiner Strohschütte, ein bisschen traurig vielleicht in seiner Verlassenheit, aber ohne Geschrei und Gezappel, denn es war ja ein besonders braves Kind.
Und nun schaute das Kind den Buben an, wie er da vor der Krippe stand und nichts in den Händen hatte, kein Stückchen Käse und kein Flöckchen Wolle, rein gar nichts. Und der Knirps schaute wiederum das Christkind an, wie es da liegen musste und nichts gegen die Langeweile hatte, keine Schelle und keinen Garnknäuel, rein gar nichts. Da tat dem Hirtenbuben das Himmelskind in der Seele leid. Er nahm das winzige Fäustchen in seine Hand und bog ihm dem Daumen heraus und steckte ihn dem Christkind in den Mund.
Und nun brauchte das Jesuskind nie mehr traurig sein, denn der arme kleine Knirps hatte ihm das Köstlichste geschenkt, was einen Wickelkind beschert werden kann: den eigenen Daumen.
Mich berührt in dieser Geschichte die Freude über das ganz kleine Glück.
Dieses Glück – es kommt ja nicht von außen, sondern das Kind hatte schon alle Möglichkeiten dazu in sich; sie warteten nur darauf, geweckt zu werden.
Und der Knabe – nichts hatte er, was er hätte vorweisen oder womit er hätte Eindruck machen können. Er ließ sich einfach leiten von seiner Sehnsucht, von seinem Mitleid und von seiner liebevollen Phantasie. Er wusste ja aus eigener Erfahrung, was ein kleines Kind glücklich machen kann.
Das gab er weiter – und so waren beide glücklich, das Kind und der Knabe.
Worüber freut sich ein Mensch? Was ist für ihn Glück?
Mir scheint, das ist in jedem Land und in jeder Kultur ähnlich:
Ein Mensch fühlt sich wirklich wahrgenommen, und er findet Antwort auf seine Sehnsucht, und wenn es nur für einen Augenblick ist.
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