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Eine Szene im März dieses Jahres steht mir dabei vor Augen. Die Reisegruppe, die die Einweihung unseres Zentrums so fröhlich mit gefeiert hat, verabschiedet sich und steigt in den Bus. Wir stehen vor dem Hotel und winken.
Da fällt einer der Teilnehmerinnen ein, sie könne doch ihre festen Sandalen in Nepal lassen – in Dortmund kommt sie gut ohne aus. Sie steigt kurz noch einmal aus und gibt mir die Sandalen.
Neben mir steht Manosh, ein Junge von etwa 15 Jahren. Gerade haben wir seinen Klumpfuß operieren lassen, sodass er jetzt fast normal laufen kann. Ich gebe ihm die Sandalen. Sie passen ihm genau, und Manosh ist glücklich! Zum ersten Mal in seinem Leben hat er zwei zusammen passende Schuhe an!
Sein Strahlen steckt die ganze Reisegruppe an, und unsere Freunde fahren berührt und froh zum Flughafen.
Auf dem Heimweg in unser Zentrum schaut Manosh immer wieder stolz auf seine Füße und kann es kaum fassen, und die anderen Jungen und Mädchen im Zentrum freuen sich mit ihm!
Im Augenblick sind noch viel mehr Menschen bei Shanti glücklich:
alle, für die das neue Zentrum jetzt wirklich ein Zuhause ist.
Der Umzug im September war unbeschreiblich turbulent, und es haben längst noch nicht alle und alles einen endgültigen Platz gefunden.
Einen Vorgeschmack auf Umzugschaos hatten wir schon im Sommer:
Unser Zentrum ist so liebevoll gestaltet, dass fremde Investoren ein Auge darauf geworfen hatten, besonders auf die Klinik. Ein Investor sah sich schon als zukünftigen Chef.
Als die PatientInnen das merkten, hätten Sie sehen sollen, wie blitzschnell sie reagierten und ihr Zuhause verteidigten! Innerhalb eines einzigen Tages fuhr ein offener Lastwagen im Stundenrhythmus zwischen alter und neuer Station hin und her – abenteuerlich beladen mit Matratzen, Stühlen, Tischen, Werkstattutensilien u.a.. Noch am gleichen Abend war jedes Zimmer irgendwie belegt.
Die Investoren hatten ganz offensichtlich nicht damit gerechnet, dass die Klinik nicht nur ein Gebäude ist, sondern ein Zuhause für Hunderte von Menschen. Und das verteidigten sie – friedlich, aber zielgerichtet.
Die Investoren haben inzwischen begriffen: Mehr als tausend Menschen kann man nicht einfach ihr Heim wegnehmen. Sie getrauen sich gar nicht mehr auf unser Gelände. Uns beruhigt das sehr!
Die Patientinnen und Patienten fühlen sich jetzt sicher, und auch wir sind gewiss: Das Zentrum gehört wirklich denen, für die es gebaut wurde.
Jetzt ist es ihr ganzer Stolz, IHR Zentrum so schön wie möglich zu machen. Jogendra, einer unserer begabtesten Maler, kam auf die Idee, alle wichtigen Gottheiten aus ihrer Hindu-Religion auf die Türen zu malen. So grüßen in der Klinik und in den Werkstätten Ganesh, Shiva, Krishna, Laxmi und all die anderen Göttinnen und Götter die Ein- und Ausgehenden und geben ihnen ein Gefühl von Geborgenheit (Christinnen und Christen haben wir nur ganz wenige bei uns, ähnlich wie Buddhisten und Moslems).
Insgesamt herrscht eine erfrischende Aufbruchstimmung in der Station.
Das Team hat sich in ganz neuer Weise zusammengefunden und freut sich am Gestalten. Froh macht mich dabei, dass die Frauen im Team es allmählich wagen, ihre eigenen Ideen einzubringen, und das immer selbstverständlicher und kreativer. In der nepalesischen Gesellschaft ist das (leider) noch sehr ungewöhnlich.
Eine besondere Bereicherung ist Mompta. Von ihrer Ausbildung her ist sie Tänzerin. Sie kommt aus einer Künstlerfamilie: auch ihre Mutter ist Tänzerin, und ihr Vater ist Hom-Nath, einer der besten Tabla-Spieler Nepals. Er hat mit einigen anderen Musikern zusammen unsere Einweihungsfeier mit gestaltet.
Mompta hat einige Jahre in Deutschland und in der Schweiz gelebt, bevor sie zurück nach Nepal kam. In Deutschland hat sie ein vor sich hin dümpelndes Restaurant mit viel Einsatz und Phantasie in ein Kulturcafé verwandelt. In der Schweiz hat sie in einem Altenheim gearbeitet.
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