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Advent 2011

Ich träume von einer Welt, in der die Menschen
menschlich miteinander leben können;
Von einer Zeit, in der keiner den anderen bekämpft,
weil alle in dieselbe Richtung blicken;
Von einer Welt, die Platz hat für alle, und Brot;
Von einer Zeit, in der das Teilen mehr gilt als das Haben;
Von einer Welt, die nicht mehr besessen, ausgebeutet, zerstört wird;
Von einer Zeit, in der jeder seine Chance hat,
weil keiner ist, der sie ihm neidet;
Von einer Welt, in der keiner allein ist, wenn er weint;
Keiner stirbt im Abstellraum;
Von einer Zeit, in der die Zeitungen und die Tagesschau nichts mehr vom Unglück zu sagen weiß, weil das
Miteinander interessanter geworden ist als der Konflikt.
Ich träume davon, dass Gott eines Tages zu mir sagen wird: Ich war deine Mutter, deine Schwester, dein Freund, dein Nachbar, dein Arbeitskollege, dein Mitmensch und du hast mir geholfen.
Ich war dein Gott und du hast mich geliebt und versucht so zu leben, wie ich es dir gesagt habe.
Ich träume von einer Welt...
Ich kann sie nicht machen ...
aber den ersten Schritt, meinen Schritt tun. Amen.

Henny Seidemann, Jüdin, *1922

 

Die menschliche Gesellschaft gleicht
einem Gewölbe, das zusammenstürzen
müsste, wenn sich nicht die einzelnen
Steine gegenseitig stützen würden.

Seneca

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Shanti-Familie,

„Friede auf Erden“ – so lautete die Botschaft der Engel vor über 2.000 Jahren in Bethlehem.
Wieder nähert sich das Fest des Friedens, und mir war natürlich seit langem deutlich: unser Weihnachtsbrief steht an. Ich merkte jedoch in mir immer mehr Zögern und Zaudern. So gerne wollte ich Ihnen doch etwas Positives über die Lage in Nepal berichten – aber was? Die Wirklichkeit sah so trübe und desolat aus, und ich möchte Ihnen einfach nicht etwas schreiben, was nicht stimmt.

Dann aber, Anfang November, fiel mein Blick auf einen schmalen Artikel in der FAZ mit der Überschrift: „Friedenslösung für Nepal“, und nun drängt es mich richtig, mit Ihnen diese lang ersehnte Nachricht zu teilen.
Wie ein Wunder erscheint uns allen diese Kehrtwendung in der Politik. Wie lange war das Volk vertröstet worden oder auch immer wieder aufgeschreckt mit der Drohung, ein dritter Bürgerkrieg sei durchaus möglich, um eine Konfliktlösung zu erzwingen.
Die großen Lager, in denen die ehemaligen Mao-Rebellen zu zigtausenden kaserniert waren, wurden zu einem immer größeren Problem, aber niemand getraute sich, wirklich eine Lösung anzudenken, geschweige denn, eine sinnvolle Lösung auch in Angriff zu nehmen.

Jetzt aber hatte der moderate neue Präsident der Mao-Führer, Baburam Batterei, die Vernunft siegen lassen. Alle Waffen, die bisher schon in Containern lagerten, sollen dem Staat übergeben werden.
Die ehemaligen Rebellen, die es möchten, bekommen eine Abfindung und können sich damit im Zivilleben selbständig machen. Die anderen werden in eine Armee-Einheit integriert, in der dann 65% Soldaten und 35% ehemalige Mao-Rebellen zusammenarbeiten sollen.
Am meisten aber freut mich: Diese neue Einheit soll nicht als Kampftruppe dienen, sondern ihre Aufgabe wird die Entwicklungsarbeit sein. Dazu gehören Konservierung des Waldes, Schutz von Industrieanlagen, Krisenmanagement und ähnlich konstruktive Aufgaben.
Vielleicht können wir diese Einheit sogar bitten, uns bei der Beseitigung von Erosionsschäden in Buddhanilkantha zu helfen, wenn wir das Material stellen.

 
 

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