Maitili-Malerei

Diese junge Frau leidet an Depressionen und wird bei Shanti medikamentös versorgt. Das Malen wirkt bei ihr auch therapeutisch, es strukturiert den Tag und erfüllt ihr Leben mit Sinn.

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Frehändig und ohne jede Vorlage malt Jogendra die Wände mit großen ornamentalen Rosetten aus.

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Das von Jogendra und Reika prächtig ausgeschmückte Treppenhaus.

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Feinarbeit an einer frischen Wandmalerei: Reika.

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Nathuni wurde von seinem Vater wegen seiner Lepraerkrankung verstoßen.

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Farbenfrohe Ornamente sind seine Spezialität.

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Prem Kumari malt am liebsten Szenen aus dem dörflichen Leben ihres Maitili-Volkes.

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Glücksbringer: bunt bemalte Metall-Elefanten mit erhobenem Rüssel.

Die Tradition bewahren,
gute Erinnerungen pflegen

Maitili ist ein Volksstamm aus dem Süden Nepals. Dort gehört es zur Tradition, einmal im Jahr die Hütten mit einer Mischung aus Lehm, Reisstrohhäckseln und Kuhdung neu zu verputzen und anschließend kunstvoll zu bemalen, um den Schutz der Götter zu erbitten.

Die Motive dafür sind vor allem die Götter selbst sowie an den traditionellen Mythen orientierte Szenen aus ihrem Leben. Viele Menschen aus dem Stamme der Maitili sind deshalb meist recht begabte Maler.

Unter den Shanti-Bewohnern gibt es etliche, die zu diesem Volksstamm gehören. Wenn Marianne Großpietsch erfährt, dass jemand zu den Maitili gehört, fragt sie gezielt, ob sie malen können. Auf diese Weise wurden schon viele schlummernde Talente entdeckt.

Zum Beispiel Jogendra und Reika. Sie sind mit verantwortlich für die farbenprächtige Ausgestaltung der Treppenhäuser in der Shanti-Station in Kathmandu und vor allem auch in der Klinik. Es dürfte weltweit kein Krankenhaus geben, das derart schön ausgemalt ist!

Jogendra erkrankte schon als Kind an Lepra. Er wohnte an der indischen Grenze und ging, nachdem ihn seine Familie verstoßen hatte, nach Indien, fand aber auch dort keine Unterstützung.

Er kehrte nach Nepal zurück und lernte in Kathmandu seine Frau Reika kennen, mit der er vier Kinder hat. Beide stammen aus der Maitili-Ethnie und verfügen über eine natürliche Begabung für eine farbenfrohe, ornamentale Malerei. Sie malen grundsätzlich freihändig, ohne jede Vorlage!

Verborgene Talente: Nathuni und Prem Kumari

Auch Nathuni ist so ein verborgenes Talent. Als Jugendlicher erkrankte er an Lepra und wurde deshalb von seinem Vater mit den Worten verstoßen: "Dich haben die Götter verflucht!" Durch Zufall erfuhr er in Pokhara von Shanti in Kathmandu, und aus Fernsehsendungen lernte er, dass Lepra keine Strafe der Götter ist, sondern eine behandelbare Infektionskrankheit.

Dass er schön malen kann, wurde erst bei Shanti entdeckt - durch Zufall, weil Marianne den Neuankömmling fragte, was er gerne macht. Als er darauf keine Antwort wusste, regte sie an, ob er es nicht einmal mit dem Malen versuchen wollte. Rasch wurde klar, dass Nathuni dafür eine besondere Begabung hat.

Aus seiner, von Lepra schon gezeichneten Hand mit den verkrümmten Fingern stammen die wunderschönen Girlanden und Motive für die Shanti-Rundbriefe. Er hat auch den Entwurf für den Hintergrund der Vereinsseite auf dieser Hompage gemalt.

Nathuni musste wegen seiner Lepraerkrankung schon neun Mal an den Augen operiert werden. Zum Glück konnte sein Augenlicht auf diese Weise erhalten werden.

Prem Kumari erkrankte mit 9 Jahren an Lepra. Sie ist eine der begabtesten Maitili-Malerinnen und fertigt große, farbenprächtige Wandbehänge. Die dort gezeigten Motive zeigen vor allem Alltagsszenen aus dem dörflichen Leben und Feste im nepalesischen Jahreslauf.

Damit werden schöne Kindheitserinnerungen wach gehalten, und die Menschen können stolz sein auf ihre Herkunft und ihre Traditionen.

Maitili-Malerei schmückt auch Postkarten, Briefkarten und Glücksbringer aus Metall - Sterne, und vor allem Elefanten. Wenn sie den Rüssel nach oben heben, bedeutet das Glück!