Das Hospiz

Marianne Grosspietsch zu Besuch bei einem der an Muskelschwund erkrankten Brüder.

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Frisch gewaschen und gut versorgt liegen die beiden an schwerem Muskelschwund erkrankten Brüder in der warmen Frühlingssonne auf der Dachterrasse.

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Sie können sich nicht mehr selbst bewegen, sondern müssen immer wieder neu gelagert werden, damit sie sich nicht wundliegen.

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Einer der Verbrennungsorte im Pashupathinath-Tempel.

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Damit kein Stäubchen übrig bleibt, wird der Verbrennungsort gut mit Flusswasser gespült.

Liebevoll auf dem letzten Weg begleiten

Zwei Räume in der Hape-Kerkeling-Klinik sind als Hospiz eingerichtet. Hier werden Schwerstkranke auf ihrem letzten Weg liebevoll gepflegt und begleitet.

Zum Beispiel die beiden an Muskelschwund erkrankten noch sehr jungen Brüder. Sie können sich mittlerweile nicht mehr eigenständig bewegen und werden rund um die Uhr versorgt. Kuschelige Daunenschlafsäcke - eine Spende aus Deutschland - halten sie in kühlen Nächten warm.

Weil die Jungen ständig bettlägerig sind, wurden Dekubitus-Matratzen besorgt, damit sie sich nicht wundliegen. An den Deckenmalereien freuen sie sich täglich - die Motive dafür durften sie sich wünschen!

Der größte Wunsch: im Tempel von Pashupathinath verbrannt werden

Die große Sorge vieler todgeweihter Patienten ist, dass ihre Verwandten nicht das Geld aufbringen können, um sie nach ihrem Tod im nahegelegenen Pashupathinath-Tempel zu verbrennen und die Asche in den Fluss Bagmati zu streuen, der direkt am Tempel vorbeifließt und hunderte von Kilometern weiter südlich in den Ganges mündet.

Hier verbrannt zu werden, ist einer der größten Wünsche, die ein gläubiger Hindu haben kann – ist dieser Ort doch das höchste Heiligtum, das die hinduistische Religion kennt. Wer hier kremiert wird, darf auf eine schöne Wiedergeburt hoffen.

Häufig werden todkranke Menschen in der Nähe des Tempels unter einem Busch abgelegt, in der Hoffnung, dass jemand sie findet und ihnen nach ihrem Tod diese heilige Verbrennung ermöglicht. Shanti findet jedes Jahr etliche solcher erbarmungswürdigen Gestalten, begleitet sie auf ihrem letzten Weg und lässt sie anschließend in Pashupathinath verbrennen.

Alle gläubigen Hindu, die bei Shanti versterben, werden auf diese Weise bestattet - Shanti übernimmt die Kosten dafür.

Weil ein frommer Hindu immer von der Familie eingeäschert werden muss, viele Shanti-Patienten aber keine Angehörigen mehr haben oder anonym kurz vor dem Versterben aufgefunden werden, übernehmen Shanti-Bewohner die Funktion der Familie und zelebrieren die Riten an der Verbrennungsstätte.