Lepra - das Leiden der Armen

Wenn Lepra nicht rechtzeitig behandelt wird, greift sie die Gliedmaßen an. Viele geheilte Leprakranke haben deshalb verstümmelte Hände oder Füße. Trotzdem können sie sehr geschickt handarbeiten – zum Beispiel stricken.

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Die weißlichen Streifen am Oberarm waren die ersten Anzeichen für die Leprainfektion.

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Bei Hari Chaudhari ist das linke Auge von Lepra betroffen und musste bereits mehrfach operiert werden.

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Bei dieser Frau (rechts) hat die Lepra das ganze Nasenbein wegbrechen lassen. Bei Shanti hat sie ihr Selbstvertrauen wiedergefunden.

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Selbst diese Hände können wunderbare Hemden nähen - und die darauf aufgesteppten Biesen verlaufen schnurgerade nebeneinander!

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Die linke Hand des Schreiners ist durch Lepra stark verkrümmt - trotzdem kann er damit gut arbeiten.

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Auch Nathuni musste mehrfach an den Augen operiert werden, um nicht zu erblinden.

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Trotz seiner durch Lepra verkrümmten Finger kann Jogendra wunderbar malen!

Eine immer noch nicht besiegte Krankheit

Lepra ist eine von Bakterien (Mycobacterium leprae) ausgelöste, ansteckende Krankheit, die vor allem die Haut, Schleimhäute und Nerven betrifft. Der frühere Name "Aussatz" kommt nicht von ungefähr: Leprakranke wurden wegen der Ansteckungsgefahr isoliert. In Kathmandu und anderen Städten Asiens gab es regelrechte Lepra-Ghettos, in denen die Kranken unter unwürdigsten Bedingungen dahinvegetierten.

Jährlich stecken sich weltweit immer noch schätzungsweise 230-270.000 Menschen mit Lepra an (Stand 2008, Angaben der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V., DAHW).

Dass es auch in Nepal noch so viele Leprakranke gibt, liegt an der mangelhaften medizinischen Versorgung. Kostenlose Behandlung in Lepra-Stationen gibt es nur an wenigen Orten im Land - und die muss man erst einmal erreichen. Die Verkehrswege sind - vor allem in den Gebirgsregionen - denkbar schlecht, und die Armut tut ein Übriges, dass Leprakranke nicht die medizinische Hilfe bekommen, derer sie bedürfen (und andere Kranke ebensowenig).

Entscheidend sind die hygienischen Verhältnisse

Lepra wird über Tröpfcheninfektion übertragen. Die Gefahr der Ansteckung ist abhängig von den hygienischen Verhältnissen und von der Stabilität des Immunsystems. Ist die Abwehr ohnehin durch schlechte Lebensbedingungen oder Mangelernährung geschwächt, haben es auch Lepra-Bakterien leichter.

Erste Anzeichen sind helle, diffus verlaufende Flecken oder Streifen auf der Haut, häufig an den Armen. An diesen Stellen wird die Haut unempfindlich und taub. Das führt dazu, dass Verletzungen, Wärme, Kälte oder Schmerz nicht mehr wahrgenommen werden.

Über die verletzte Haut können andere Krankheitskeime eindringen und schwere Infektionen und Entzündungen auslösen. Sie zerstören das Gewebe und nicht selten auch die Knochen. Schllimmstenfalls müssen Fingerglieder, Zehen oder sogar ganze Gliedmaßen amputiert werden.

Weil sich im Zuge der Krankheit die Sehnen verkürzen, verkrümmen die Finger, und es entstehen sogenannte "Klauenhände".

Lepra betrifft auch die Augen

Häufig sind auch die Augen mit betroffen. Durch die Schädigung der Nerven erschlafft das Unterlid. Es verliert an Spannung und hängt herab. Dann werden Horn- und Bindehaut nicht mehr von Tränenflüssigkeit benetzt, sondern das Auge tränt ständig, und die Augenoberfläche trocknet aus.

Hinzu kommt, dass das Auge im Schlaf nicht bedeckt ist. Dann können Moskitos die Augenoberfläche befallen und Bakterien übertragen. Das wiederum führt zu schmerzhaften Entzündungen und Geschwüren, in deren Folge die Hornhaut immer mehr vernarbt und letztlich so stark geschädigt ist, dass das Auge erblindet.

Deshalb muss das Unterlid möglichst rasch operativ gestrafft werden, wenn die Spannung darin nachlässt. Die Shanti-Bewohner werden dafür in der hoch qualifizierten, der Station direkt benachbart gelegenen Augenklinik operert, nicht selten muss das mehrfach erfolgen, um das Auge zu schützen.

Wird Lepra mit Antibiotika behandelt, sind die Kranken nicht mehr ansteckend, aber oft für ihr Leben gezeichnet. Sie werden aus der Familie und auch aus der Dorfgemeinschaft ausgestoßen - denn Krankheit und Behinderung wird in Nepal als Strafe der Götter verstanden. Mit solchen Menschen in Kontakt zu sein, ist nach hinduistischem Glauben keine gute Voraussetzung für die nächste Wiedergeburt.

So kommt es, dass die meisten kranken und behinderten Menschen am Tempel und anderen öffentlichen Plätzen betteln müssen und obdachlos sind. Diesem grauenhaften Zustand abzuhelfen, war ein wesentlicher Anlass, die Shanti Leprahilfe zu gründen.