Presseberichte im Jahr 2003

 

Westfälische Rundschau, 25. Januar 2003

50. Welt-Lepratag - ein neues Shanti-Dorf entsteht

(rp) »Aussatz« – das Wort ist keineswegs unbekannt, doch assoziiert man möglicherweise eher Biblisches, Metaphorisches. Längst nicht mehr alle Menschen wissen, dass Aussatz ursprünglich die Leprakrankheit bezeichnete.

Morgen ist der 50. Welt Lepratag – für das »Deutsche Aussätzigen Hilfswerk« (DAHW) auch ein Anlass, im 46. Jahr seines Bestehens den Namen zu ändern. Das in der Öffentlichkeit gut eingeführte Kürzel DAHW bleibt, ausgeschrieben aber heißt der eingetragene Verein jetzt »Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe«.

Seit den 80er Jahren ist die Krankheit mit Antibiotika vollständig heilbar (wie auch die Tuberkulose). Doch noch immer sind Millionen betroffen und fast überall auf der Erde auch stigmatisiert. Während das DAHW an verschiedenen Orten der Welt aktiv ist, engagierte sich die Dortmunderin Marianne Großpietsch mit der »Shanti Leprahilfe« in Nepal. Über 800 wegen Lepra, mitunter auch anderen damit in Zusammenhang stehenden Krankheiten und Behinderungen verstoßene Nepalesen lebten und arbeiteten in dem von ihr gegründeten Dorf Shanti Sewa Griha (Friedensdienst Heim). Zwölf große Werkstätten gab es dort, in denen die Bewohner Kunsthandwerk von hoher Qualität herstellten. Mit den Jahren waren Kindergarten, Schule, Krankenhaus, Hospizstation und Kindergenesungsheim hinzugekommen. Doch das alles ist Vergangenheit.

Die Regierung des unter Bürgerkrieg, Terrorismus, Touristenschwund und wirtschaftlichem Niedergang leidenden Landes hat die Umgebung des Pashupapinath Tempels zu einer Art religiösem Parkgelände erklärt und sämtliche Ansiedlungen untersagt. Nicht nur Gewerbetreibende sind davon betroffen, sondern auch das Shanti Dorf, das umziehen muss. Doch im Unglück hatte die Shanti Leprahilfe Glück: In der Fernsehshow »Wer wird Millionär«, letztes Jahr am Pfingstmontag, gewann der Entertainer Hape Kerkeling im Prominentenwettbewerb satte 500 000 Euro, die er gemäß den Spielregeln einer gemeinnützigen Organisation spenden musste. Er entschied sich für Shanti – mit der Folge, dass es für ein neues Dorf reicht und ebenso dafür, die Kranken bis zum endgültigen Umzug in einem alten Hotel unterbringen zu können.

Seit einer Woche ist Marianne Großpietsch wieder in Nepal, um die Dinge zu regeln, und für weitere drei Wochen wird sie sicherlich noch dort bleiben, vermutet ihre Tochter Dori Großpietsch Rindle, die ebenfalls dem Shanti Vorstand angehört und Kontakt hält. Wie »die Ruhe vor dem Sturm« empfinde Marianne Großpietsch die Lage in dem zu rund 40 Prozent von maoistischen Rebellen beherrschten Land. Anders als einige christliche Missionsstellen, die in Nepal ebenfalls wohltätig wirkten, ist Shanti bisher noch nicht bedroht oder gar angegriffen worden. Aber kurzfristig und willkürlich angesetzte Ausgangssperren erschweren die Arbeit vor Ort erheblich.

Man muss befürchten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Probleme des Landes, das Flüchtlingselend, die Armut, der Hunger, alles noch schwieriger machen werden. Doch Marianne Großpietsch bleibt zuversichtlich. Ihren jetzigen Aufenthalt nutzt sie unter anderem dazu, ein Grundstück von fünf Hektar für Gemüseanbau zu pachten. Hier werden Lepra Patienten zukünftig ökologischen Gemüseanbau betreiben, vorwiegend für den eigenen Bedarf.

Spendenkonten
Shanti Leprahilfe: Deutsche Bank Dortmund
(BLZ 440 700 24), Kto. Nr. 1 77 77 13
DAHW: Sparkasse Mainfranken Würzburg
(BLZ 790 500 00). Kto. Nr. 96 96.