Wie alles begann...

Marianne Großpietsch im Shanti-Hospiz – hier hat sie einen an unheilbarem Muskelschwund erkrankten Jungen mit einem aus Deutschland gespendeten kuschelweichen Daunenschlafsack zugedeckt. Der Junge kann sich nicht mehr bewegen und auch die Körpertemperatur nicht mehr gut halten. Deshalb ist alles, was Wärme spendet, für diese Kranken besonders wohltuend.

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Damit es keine Verwechslungen gibt, steht der Name des Jungen auf der Schlafsackhülle - und er freut sich darüber!

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Marianne Großpietsch im Gespräch

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Alle Shanti-Gebäude sind farbenfroh bemalt - hier ein Torbogen in Budhanilkhanta.

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Ein behindertes Kind hat Marianne zur Begrüßung einen Blumenstrauß gepflückt. Nun freuen sich beide an den schönen Farben.

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Wie in einer Wiege werden die behinderten Kinder hier sanft geschaukelt - dass sie gut versorgt sind, liegt Marianne besonders am Herzen.

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Wenn sie in Nepal ist, begrüßt Marianne jeden Patienten persönlich.

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Humor ist, wenn man trotzdem lacht - bei all den Problemen, mit denen sie konfrontiert ist, kann Marianne Großpietsch nie genug Humor haben!

Die Geburt der Shanti Leprahilfe

Es war Ende der 1960er Jahre, als Marianne Großpietsch ihre beiden Kinder bekam und großzog. Sie erzählt: "Wir wollten sie tolerant und weltoffen erziehen, seinerzeit war es üblich, dass man sich in diesem Zusammenhang nicht nur um die eigene Brut kümmerte, sondern auch um diejenigen, denen es nicht so gut ging wie uns in Europa."

Die Patenschaft für ein Kind in Nepal zu übernehmen, wo es viel Armut und Leid gab, war durchaus üblich. Weniger üblich war es jedoch, nicht nur jeden Monat einen gewissen Geldbetrag nach Asien zu überweisen, sondern selbst hinzufliegen und zu schauen, wie es dem Kind geht und wo die Spenden hingehen sollten. Gemeinsam mit ihrem Mann Herbert flog Marianne Großpietsch erstmals 1973 nach Kathmandu.

Was sie dort sah, sollte ihr künftiges Leben nachhaltig verändern. Sie berichtet: "Wir besuchten unser Patenkind, einen kleinen Jungen namens Puskal, bei seinen Eltern. Sie waren beide an Lepra erkrankt und lebten mit dem Kind in einem Ghetto für Leprakranke. Sie galten ja als "Aussätzige", mit denen man keinesfalls in Berührung kommen durfte, weil man sich sonst ansteckte, denn Lepra ist eine infektiöse, von Bakterien verursachte Nervenkrankheit. Aber sie lässt sich mit Antibiotika gut behandeln, und es besteht keinerlei Veranlassung, Leprakranke derart zu stigmatisieren und auszugrenzen."

Um Puskal ein besseres Leben zu ermöglichen und vor allem eine gute Schulbildung mitzugeben, brachten Marianne Großpietsch und ihr Mann das Kind auf ihre Kosten mit Einverständnis der Eltern in ein gutes Internat in Kathmandu. Brieflich standen sie weiterhin mit ihm in Kontakt.

Nach einem Jahr mussten sie Puskal allerdings wieder abholen, weil einflussreiche Eltern dagegen protestiert hatten, dass ihre Kinder zusammen mit dem Kind von Leprakranken unterrichtet wird. So entschlossen sich die Großpietschs kurzerhand, Puskal zu adoptieren und mit nach Deutschland zu nehmen. Puskals Eltern waren einverstanden – und es war selbstverständlich, dass alle miteinander in Kontakt blieben.

Nach bestandenem Abitur reiste Puskal mit Marianne 1989 erneut nach Kathmandu, um seine Eltern im Lepra-Ghetto zu besuchen. Aber der Vater war aufgrund der Lepra inzwischen erblindet, und konnte seinen eigenen Sohn, der inzwischen erwachsen geworden war, nicht mehr erkennen. Auch waren ihm Hände und Füße aufgrund der Krankheit abgefallen, und kurz nachdem Puskal gekommen war, starb er.

Dieses Erlebnis wurde zur Geburtsstunde von Shanti. Marianne Großpietsch berichtet: "Dieses Erlebnis ging mir an die Seele … Ich hatte mit großer Freude einige Semester Theologie und Judaistik studiert, aber mir wurde deutlich: Wenn ich für mich authentisch sein wollte, konnte ich hier über den Satz Jesu: »Was ihr getan habt dem geringsten meiner Geschwister, das habt ihr mir getan«, nicht hinweggehen."

1992 gründete sie die erste Station der „Shanti-Leprahilfe“. Freunde aus Deutschland hatten 17.000 DM gespendet, und so konnte sie einen Arzt anheuern und eine medizinische Ambulanz eröffnen, die täglich 60 bis 100 Menschen versorgte.

Gleichzeitig mietete sie ein Haus und nahm zwölf Bettler auf, die aufgrund von Lepra aus ihrer Dorfgemeinschaft ausgestoßen worden waren und nun in der Stadt obdachlos dahinvegetierten. Bei Shanti bekamen sie Essen, ein Dach über dem Kopf und eine sinnvolle Beschäftigung, die ihrem Leben einen Sinn gab.

Im Lauf der folgenden Jahre hat Shanti viele Höhen und Tiefen erlebt, ist mehrfach umgezogen, hat den Bürgerkrieg, den Sturz des Königs und diverse Regierungswechsel überstanden.

Es wurden die Zweigstellen in Budhanilkhanta und Sundarijal gegründet.

Dank der großzügigen Spende von Hape Kerkeling und der Unterstützung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit konnte dann 2009 in Tilganga in Kathmandu eine eigene Klinik und Häuser zur Unterbringung der Shanti-Schützlinge gebaut werden.

Die Finanzierung wurde ermöglicht aufgrund der Vermittlung der Deutschen Rotarier in Düsseldorf, die über andere Projekte in Nepal auf Shanti aufmerksam wurden und tatkräftig den weiteren Aufbau unterstützten.

Heute ist Shanti die größte private deutsche Hilfsorganisation in Nepal und aus dem sozialen Leben des Landes nicht mehr wegzudenken.

Lesen Sie auch das Gespräch mit Marianne Großpietsch, das Doris Kleinau-Metzler mit ihr 2007 geführt hat.

Einen guten Überblick über die Geschichte bieten auch die Rundbriefe, die Marianne Großpietsch persönlich dreimal im Jahr an alle Spender schreibt.